#1 RE: Die Fabel Lummerland von Ulrich Walluhn 18.06.2018 12:18

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Kurz nach den Ereignissen vom 11. September 2001 in New York schrieb ich die Fabel Lummerland. Erst kürzlich entdeckte ich sie auf dem Hauptrechner unter "Politik" wieder. Ich erschrak über mich selbst. War ich 2001 ein Prophet, ein Hellseher? Jahre nachfolgende Ereignisse wie Hartz 4 oder Kriege sind beinahme messerscharf voraus erkannt. Oder bin ich doch kein Hellseher, sondern nur ein ganz normaler Mensch, der einigermaßen klar im Kopf ist und logisch denken kann. Letzteres wird der Fall sein.


Lummerland
Erster Teil.
Eine messerscharf-bissige Satire aus der real existierenden Märchenwelt
Von Ulrich Walluhn, Erfurt – aus der Denkfabrik Thüringen

Einst, als die Spatzen noch Gamaschen trugen und als Tür, Tor und Not noch mit „Ha“ nach dem „Te“ geschrieben wurden, war Lummerland eine große Industrienation inmitten des Kontinentes Atlantis, umgeben von überwiegend neidischen, streitsüchtigen Nachbarn. Da lag im Westen das Franzenland, was erst kürzlich von Lummerlands Armeen tüchtig „Dresche“ bezogen hatte. Da lag im Osten das große, weitläufige Mussland mit seinem grimmigen Zaren an der Spitze, im Süden das befreundete Austerlitz-Garn und schließlich gab es noch einige Zwergenstaaten, die der Erwähnung jetzt nicht wert sind. Lummerland wurde vom mächtigen Kaiser Wilhelm regiert, seine vielen Millionen Bewohner, die Lemminge, gingen ihrem Tagwerk nach - kaisertreu, lummer und doof. Oder waren sie doch gar nicht so doof, wie man heute glauben machen will? Jedenfalls leisteten sie damals keinen Job, sondern echte lummerländische Wertarbeit.

Schließlich suchte ein großer Krieg das Lummerland heim. Der Krieg war verloren, der Kaiser dankte ab und ein großes Chaos brach über die Lemminge herein. Es herrschte Not und Orientierungslosigkeit, ein Teil der Lemminge erhob sich gegen einen anderen, verschiedene hingegen blieben einfach passiv. Die neue Lummer-Regierung rief im Jahre 19 eine wackelige Republik aus, die nicht einmal mehr Lummer hieß, sondern den Namen einer Kleinstadt trug. Die ebenso wackelige Regierung ließ endlos Geld drucken, so dass bald kein Lemming mehr über Vermögen verfügte und ein Brot schließlich Milliarden Lummer-Mark kostete. Noch größer wurde die Not, weil die siegreichen Nachbarn endlos Kriegsentschädigungen - sie sagten vornehm Kontributionen dazu - verlangten und weite Gebiete von Lummerland abtrennten.

Armes Lummerland!

Sein östlichster Zipfel war nun eine Insel inmitten des neu geschaffenen Polaniums unter Führung des berüchtigten Diktators Tilsuzki. Nach ein paar Jahren der Erholung wurde Lummerland um so mehr gebeutelt. Börsenkrach, Wirtschaftskrise, Straßenschlachten und ständig zurücktretende Regierungen gaben ihm den Rest. Millionen Lemminge wurden arbeitslos, Hoffnungslosigkeit, Hunger und Elend machten sich abermals breit.

Die Lemminge wussten weder aus noch ein. Alles, aber auch alles drohte zusammenzubrechen. So riefen sie die Schildbürger um Rat. Aber auch die kannten keinen Ausweg oder laberten nur wichtigtuend-dumm herum. Da meldete sich wie ein Schuljunge im Klassenzimmer ein kleiner Weltkriegsgefreiter aus Austerlitz mit dem unaussprechlichen Namen Schlickelgrübner zu Wort. Und die Lemminge - noch immer kaiserteu, lummer und doof – jubeltem ihm zu, zogen braune Hemden an, banden sich Lederkoppel um den Bauch und stiegen in schwarze Knobelbecher. Eine seltsame Verwandlung vollzog sich nicht nur an, sondern auch in ihnen. Immer mehr übten den abgewandelten Gruß des Römerkaisers Nero und begannen „Sieg-Heil-Lummerland“ (SHL) zu rufen. Ihren kleinen Gefreiten aus Austerlitz nannten sie alsbald Hinkel. Und sie feierten ihn wie einen Befreier ganz so, als sei er in einem Raumschiff Außerirdischer vom Himmel gekommen.

Seltsames Lummerland!

Hinkel ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen und riß - die Gunst der Stunde nutzend - den seit Jahren leeren Kaiserthron an sich. Dabei war er so klein, dass er ohne Leiter kaum das Sitzpolster erreichte! Er verlegte auch ein seltsames, in verquaster Sprache verfasstes Buch, das „Mein Krampf“ hieß und plötzlich in allen Stuben der Lemminge zu finden war. Dabei las es eigentlich überhaupt niemand, nicht einmal der sonst so wissbegierige Schildbürger. Hinkel haßte die Schildbürger und ließ es sie auch bald spüren. „Kauft nicht beim Schildbürger“, „Der Schildbüger ist unser Verderben“ oder „Der ewige Schildbürger“, heiß es auf Transparenten, die in den Straßen der Städte hingen. Und aus Schildau, der Hauptstadt der Schildbürger, machte Hinkel kurzerhand Wehrwolf-Stadt. Still und leise ließ er die Schildbürger verschwinden, nachdem er Lummerland in Lummergaue gegliedert hatte. Und ein Lummergauleiter nach dem anderen vermeldete lauthals dem Hinkel seinen Gau als „schildbürgerfrei“. Noch heute, viele Jahrzehnte nach jenen Ereignissen, behaupten viele Nachkömmlinge der alten Lemminge, nicht zu wissen, wo denn die Schildbürger damals abgeblieben sind, auch wenn Wehrwolf-Stadt längst wieder Schildau heißt und sich kaum jemand an den „Wolfsnamen“ erinnert.

Blamables Lummerland!

Hinkel war ein ganz schlauer Fuchs und wurde von allen Nachbarn Lummerlands weit unterschätzt. Kaum an der Macht, entsann er sich der Herren Färber und Feder, die als geniale Wirtschafstheoretiker von sich Reden gemacht hatten und die Theorie eines zinsfreien ergokratischen Geldwesens entdeckten. Nicht übel, dachte sich Hinkel und er handelte auch. Binnen weniger Jahre holte er Millionen arbeitsloser Lemminge, die er nun Wolkgenossen nannte, nach dieser Theorie von der Straße. Noch immer kaisertreu, lummer und doof wurde aus Jubel um den Großen Führer Hinkel (zu dem er vom Lummervolk hinaufstilisiert wurde) nun wahrer Fanatismus. Zum immer lauter grölenden Hinkel und seiner gleichgeschalteten Nationalsozialistischen Lummerländischen Arbeiterpartei (NSLAP) gesellten sich die immer lauter grölenden Lemming-Wolkgenossen. Es war ein einziges Grölen, Marschieren und Braunhemd-Zur-Schau-Stellen. Berühmte Lemminge, wie Heinrich Tann und Albert Zweistein kehrten Lummerland mit Grausen den Rücken. Und eines Tages brannten die Häuser der Schildbürger, die noch im Lande waren.

Angsteinflößendes Lummerland.

Den Großen Führer Hinkel (Grof H) mit seiner NSLAP befiel alsbald der Größenwahn: Aus ihm wurde zunächst der Gröfaz (Größter Führer aller Zeiten) und schließlich der Gröfez (Größter Feldherr aller Zeiten). Er holte Austerlitz heim ins Lummer-Reich, wie es jetzt hieß und warf - so ganz nebenbei ohne dass es ein Lemming merkte - Färber und Feder mitsamt aller Ergokratie wieder aus dem Boot. Ganz klever hatte er sich der ergokratischen Wirtschafslehre in seinem Sinne bedient, bis sie ihm selbst hinderlich wurde. Und keines hat’s gemerkt! Noch immer kaisertreu, lummer und doof...

Auf Austerlitz folgte das Studentenland. Und im Jahr 39 war Polanium an der Reihe, auf das er seit 5 Uhr 45 zurückschoss. Wenig später fraß er Franzenland und die im Text ganz oben nicht der Erwähnung werten Zwergenstaaten. Dummerweise legte er sich hierbei mit Engelreich an, einem Inselstaat nahe dem Kontinent Atlantis, mit einer eigenwillig-bockbeinigen Bevölkerung, den Engeln. Das sollte Hinkel übel zu stehen kommen! Hatten doch die Engel einen fetten Onkel in Übersee auf dem Kontinent Ameristan, der ihnen bald zu Hilfe eilte. Der neue große Weltenkrieg jedenfalls war jetzt perfekt. Und das bekamen auch die Lemminge immer stärker zu spüren, als nämlich Ameristan und Engelreich zunehmend ihre Bomben aus der Luft auf die Betriebe und Häuser der Lemminge abwarfen. Hinkels Propagandaminister Bappels hieß fortan Meyer. Inzwischen hatte Gröfez Hinkel ein neues Husarenstück vom Stapel gelassen. In völliger Verkennung der Weltrealitäten überfiel er doch tatsächlich wie einst Franzenlandmann Napaleon der Erste das mächtige Mussland. Was anfangs wie ein glänzender Erfolg aussah, wurde schnell zum Desaster, als General Winter mit grimmiger Kälte und Schneesturm zuschlug und Mussland auch noch massive Wirtschaftshilfe aus Ameristan erhielt. Die Lage wurde zunehmend aussichtsloser. Lummerland in der Zwickmühle. Die Lemminge, noch immer kaiserteu, lummer und doof, schrien lauthals jaaaaaa, als Meyer, vormals Bappels im Sportpalast der lummerländischen Hauptstadt Germania frage „Wollt ihr den totalen Krieg?!“.

Lummerland total!

Lummerland ist abgebrannt. Im Jahr 45 lag alles in rauchenden Trümmern. Hinkel hatte sich in seinem Hinkelbunker am Spee-Bogen der Hauptstadt Germania wie Bappels feige das Leben genommen. Die Lemminge draußen, nun keine Wolkgenossen mehr, litten mehrheitlich an Gedächtnisschwund. Sie kannten plötzlich einen Hinkel genauso wenig wie eine NSLAP und nicht wenige handelten schnurstracks westwärts ziehend nach dem Motto: „Ich komme aus dem Osten und suche einen Posten. Papiere all’ verbrannt, Hinkel nie gekannt.“

Alzheimerkrankes Lummerland.

Einst, als die Spatzen noch Gamaschen trugen und als Tür, Tor und Not noch mit „Ha“ nach dem „Te“ geschrieben wurden, war Lummerland eine große Industrienation inmitten des Kontinentes Atlantis, umgeben von überwiegend neidischen, streitsüchtigen Nachbarn. Nun war die Stunde gekommen, Lummerland in handliche kleine Stücke zu zerlegen. Die große Industrienation war immer schon unerwünschte Konkurrenz, und was bot sich besser an, als ein zweiter großer verlorener Krieg, es endlich wirksam zurückzustutzen. Aus Lemmingen wurden fast ausnahmslos böse Kriegsverbrecher, die man eiligst westwärts auf Reisen schickte, um die östlichen Gebiete Lummerlands lemmingfrei zu bekommen, fast so wie Hinkel einst Lummerland schildbürgerfrei machte. Wer bitte waren gleich die Schildbürger? Nein, die hatte man längst vergessen. Und auch die Siegerstaaten Ameristan, Mussland, Engelreich und Franzenland waren klammheimlich froh, dass Hinkel das Problem mit den Schildbürgern aus der Welt gebracht hatte, denn die Schildbürger konnte eigentlich keiner so richtig leiden, wenn es auch niemals irgendwer öffentlich zugab. Das schickte sich einfach nicht. Polanium errichtete man flugs neu und verschob es dabei nach Westen, indem man ihm die lummerländischen Ostgebiete zuschlug und andererseits die ehemaligen polanischen Ostgebiete, die im Jahre 39 Hinkel dem mussländischen Diktator Walin in einem geheimen Zusatzprotokoll zugestand, einfach bei Mussland beließ. Immer gemäß dem Motto: „Das macht ja nichts, das merkt ja keiner.“ Stimmt. Die Lemminge jedenfalls konnten es diesmal wirklich nicht merken, hatten ihnen doch die Besatzungsbehörden alle Radios weggenommen.

Lautsprecherloses Lummerland.

Walin war es auch, der die Gunst der Stunde nutzte, sein Machtgebiet bedeutsam ins Innere von Atlantis zu erweitern. Polanium rückte er wie gesagt nach Westen und installierte hier eine Marionettenregierung. Den östlichen Zipfel Lummerlands in Insellage sprach der großzügig zur Hälfte Polanuim zu. Den nördlichen Teil allerdings, das sogenannte Krolewgrader Gebiet behielt er als Aufmarschraum seiner Grünen Armee, denn es hatte einen eisfreien Winterhafen. Die dort heimischen Lemminge ließ Walin entweder ins Innere Musslands zur Zwangsarbeit verschwinden oder er warf sie kurzerhand hinaus. In den Ostgebieten Lummerlands herrschten Chaos und Gewalt. Polanische und mussische Truppen vergingen sich an den Lemmingen und trieben sie mit teils rohen Methoden aus ihrer Heimat. Im mittleren Teil Lummerlands, der mussischen Zone, wie es jetzt hieß, installierte Walin ebenso wie in Polanium seine Marionettenregierung. Der „Rest“ Lummerlands geriet unter Vorherrschaft Ameristans, Engelreichs und Franzenlands, so dass Lummerland nunmehr aus 6 Zonen und der in 4 Zonen geteilten Hauptstadt Germania bestand.

Geschundenes Lummerland. Zerteiltes Lummerland.

Wieso 6 Zonen, na ganz einfach:
1. ameristanische Zone
2. engelreichische Zone
3. franzenländische Zone
4. mussische Zone in Mittel-Lummerland
5. polanische Zone in Ost-Lummerland
6. mussische Zone im Krolewgrader Gebiet

Da staunt selbst der heutige Lemming! Jaja, so ist es. 6 Zonen, nicht 4! Doch nicht mehr so ganz kaisertreu, lummer und doof.....? Oder?

#2 RE: Die Fabel Lummerland von Ulrich Walluhn 18.06.2018 12:18

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Die alte Hauptstadt Germania, in der einst Kaiser Wilhelm mit viel Tschingterassa-Bum den Sedan-Tag feierte, wurde also auch in 4 Zonen, nämlich die ameristanische, die engelreichische, die franzenländische und die mussische zerteilt, wobei für spätere Zeiten ganz übler Lemming-Ärger vorprogrammiert war.

Ganz ähnlich ging es - nebenbei bemerkt - Austerlitz, das vom Lummer-Reich unverzüglich abgetrennt und wie seine Hauptstadt Fien in bloß 4 Zonen aufgeteilt war. Nur waren die Austerlitzer etwas schlauer: Sie schworen geistesgegenwärtig alsbald immerwährende Neutralität und konnten sich dauerhafter Spaltung entziehen.

Die Lemminge, nun keine Wolkgenossen mehr, den Gröfaz und Gröfez Hinkel längst negiert, taten das nicht und hatten darum fortan endlos zu büßen und Abbitte zu tun. Ameristan, Franzenland, Engelreich und Mussland wachten mit Argusaugen über das arme Volk der Lemminge, die viele Jahre hungerten und froren. Nun aber geschah etwas, das kein Lemming vorausgesehen hätte. Diktator Walin aus Mussland geriet in heftigen Zwist mit dreien der anderen Besatzungsmächte. Und so kam, was kommen musste. Ganz im Stile Hinkels im Umgang mit seinen Nachbarn hatte man schon im Jahr 45 das lummerländische Reich für aufgelöst erklärt und die lummerländische Reichsregierung verhaftet. Einfach so, ohne jede Rechtsgrundlage, nach Siegermentalität eben, oder dem Motto: „Es ist so, weil es eben so ist. Basta.“ Die Lemminge waren halt alle böse Kriegsverbrecher. Schluß und fertig. So einfach „macht“ man Weltgeschichte.

Aufgelöst und eingesperrt. Böse Zungen behaupteten seither immer wieder, alles hätte nur dazu gedient, einen wirtschaftlichen Konkurrenten am Weltmarkt auszuschalten und - so nebenbei - die geniale ergokratische Wirtschaftslehre von Färber und Feder bis in alle Ewigkeit mundtot zu machen. Nichts trefflicheres bot sich an, als den multinationalen Stinkefinger auf das böse Lummerland zu richten, um von eigener Schandtat abzulenken. Wie war das doch damals mit den Schildbürgern? Hinkel hat sie verschwinden lassen und alle anderen haben weggeschaut. Ergokratie, um Gottes Willen, das ist kommunistisch-faschistoides Teufelszeug. Wie von der Tarantel gestochen schreckt schon beim bloßen Nennen dieses Wortes ganz Ameristan auf. Im Mutterland des Maximalprofites und des Hochfinanzadels darf doch ein solches Wort nicht einmal gedacht, geschweige denn ausgesprochen werden. Wer Zins auf Geld verbietet und nur den Anschein eines Ergokraten erweckt, wird zum Schurkenstaat erklärt und mit dem Abwurf von Fliegerbomben „beschenkt“.

Aufgelöst und eingesperrt. Nur gut, dass Färber und Feder im Jahr 45 längst tot waren! Kaum auszudenken, welche Scherereien diese beiden Herren den neuen Machthabern hätten machen können und umgekehrt. Nur gut auch, dass die Lemminge immer noch so kaiserteu, lummer und doof blieben und sich der beiden Namen Färber und Feder längst nicht mehr erinnerten, so denn sie sie überhaupt je kannten.

Zurück zum Hauptthema, wir waren hier stehen geblieben: Und so kam, was kommen musste. Lummerland wurde auf lange, lange Zeit viergeteilt. Ja, viergeteilt. Wie? Ja, ganz einfach: 1., 2. und 3. werden zur Trizone und später zum Separatstaat Bundesrepublik Lummerland (BRL) 4. wird zur Lummerländischen Demokratischen Republik (LDR), 5. zum Teil der Volksrepublik Polanium, einem Vasallenstaat Musslands und 6. zum Krolewgrader militärischen Sperrgebiet Musslands. Und alles ohne jede staats- und völkerrechtliche Grundlage gemäß dem uralten Prinzip „teile und herrsche“. Denn: Wer die Macht hat, ist das Recht. Basta! Man hatte gut aufgepasst beim kleinen Weltkriegsgefreiten Hinkel und viel, viel von ihm gelernt.

Geteiltes Lummerland, halbes Lummerland. Oder viertel Lummerland

Die Lemminge in der BRL hatten Glück im Unglück. Ameristan, nun in Fede mit Mussland, ließ ihnen einen warmen Regen angedeihen. Nämlich den Märstall-Plan. Ein neues Geld hineingepumpt und schon ist es da: Das Wirtschaftswunder. Gehen’se mit der Konjunktur, sehn’se her wir schaffen’s nur... Neues Geld? Ergokratisches Geld? Nein um Gottes Willen, bloß das nicht. Das Wort Ergokratie ist ja bis in alle Zeiten verboten. Es hat es nie gegeben. Basta! Lemminge, merkt es euch: Bleibt kaiserteu, lummer und doof. Unter Kanzler Konrad Edeneuer und Wirtschaftsminister Ludwig Ichhardt geht es nämlich aufwärts. Wer was leistet, ist wer und kann sich was leisten. Wohlstand und Reichtum. Böse Zungen (die ewigen Schlechtmacher unter den Lemmingen) behaupten allerdings, dass Wirtschaftswunder sei nur ein Strohfeuer basierend auf dem Geld des Märstall-Planes gewesen und hätte somit den Effekt einer ergokratischen Freiwirtschaft nur zeitweise vorgetäuscht. Ach Quatsch sagen die Machthaber in aller Welt, und drohen dabei: „Lemminge! Vergesst ganz schnell solche ketzerischen Thesen...! Sonst müssen wir euer Land wieder vierteilen!“

Die Lemminge in der LDR hatten Unglück im Unglück. Mussland mit seinem Diktator Walin (der ganz heimlich den Hinkel noch immer unheimlich verehrte) ließ ihnen nämlich keinen warmen Regen, statt dessen aber Reparationsleistungen ohne Ende angedeihen. Arme Lemminge Ost. Haben sich krumm gearbeitet und geschuftet. Und alles für die Katz’. Nichts blieb ihnen in ihrer kleinen LDR, alles fuhr per Eisenbahn ins große, große gefräßige Mussland.

Über die anderen beiden Zonen Lummerlands brauchen wir nicht weiter zu sprechen. Nach 1950 hat es hier Lemminge nur mehr als Marginalie gegeben. Oder? Gab es dort je überhaupt welche? Waren diese Zonen nicht Ur-Polanische und Ur-Mussische Gebiete? Hieß Presslau nicht immer und ewig schon Protzlaff?

Todgelogenes Lummerland!

Und dann im Jahr 89 geschah etwas ganz seltsames. Die Lemminge in der LDR, die Ost-Lemminge, wie man auch zu ihnen sagte, muckten plötzlich lauthals auf. Sie stießen ihren vergreisten, weltfremden, zu spät kommenden Halb-Kaiser Erich Hornickel vom Thorn und scheuchten seine einhundertfünfzigprozentigen Parteigenossen-Untertanen unter die Küchentische (von dort sie allerdings wenig später still und leise wieder hervorkrochen, um neues Unheil anzurichten). Sie rissen die Zäune und Mauern hernieder, die sie lange lange Zeit von ihren brüderlich-und-schwesterlichen West-Lemmingen trennten. Es ward ein großer Jubel, vor allem in Germania. Und da Mussland über die Zeit sehr schwach geworden war, ließ es seinen Vasallen, die LDR einfach fallen. Und die LDR fiel tief. Mitten hinein in die große, starke BRL mit ihrem Wirtschaftswunder, das aber auch schon in die Jahre gekommen war. Mit großer Hektik schusterten die Lemminge im Jahre 90 einen Vertrag und glaubten nun, das glücklichste Volk der Welt zu sein. Dabei waren sie immer noch kaiserteu, lummer und doof. Auf die Feierlaune folgte der Tag-Danach-Kater und dann die Halli-Galli Spaßgesellschaft. Sie merkten nicht, wie ihre immer noch neidischen Nachbarn neue, böse und hinterlistige Intrigen sponnen. Sie merkten nicht, wie sie vor allem von Ameristan über den Tisch gezogen wurden. Manche Lemminge wurden fauler und fauler und fanden „arbeiten gehen für mittelmäßig Geld“ doof und „viel viel Geld ohne Arbeit“ ganz Klasse. Lieber klopften sie ab jetzt dicke Sprüche und kassierten dafür fette Diäten oder kräftige Gewinne. Vorsichtshalber kauften sie sich auch ein Mäntelchen, auf dem in großen Buchstaben Globalisierungszwang stand und hängten es sich um.

Lummer einig Lummerland. Lummer, Lummer, Lummer, Lummer über alles in der Welt!

Aus Lummerland-Ost und Lummerland-West wurde nun Lummerland-West, dass die Lemminge aber fälschlich nur Lummerland nennen. Und plötzlich waren auch die Schildbürger wieder da, ewige Bedenken anmeldend, dass es mit dem Neuen Lummerland nicht gut gehen werde und die Lemminge wieder einen bösen großen Krieg machen wollen. Und mit den Schildbürgern kamen auch viele andere sehr eigenartige Gestalten ins Lummerland, die ganz seltsame Laute von sich gaben, anstatt lummerländisch zu sprechen. Ihre alte Hauptstadt Germania tauften die Lemminge unverständlicherweise jetzt auf den zuvor nie gehörten Namen BERLIN um. Wissenschaftler meinen, dies könnte eine geheimgehaltene Abkürzung für „Besserverdiener, Einkommensmillionäre, Rentiers und börsenspekulierende Lungerlemminge In Neu-Lummerland“ sein. Wir wissen es nicht.

Multi-Kulti-Lummerland?

Einst, als die Spatzen noch Gamaschen trugen und als Tür, Tor und Not noch mit „Ha“ nach dem „Te“ geschrieben wurden, war Lummerland eine große Industrienation. Doch was ist geblieben vom Lummerland mit Kaiserkrone und Zepter? Der Putz ist ab, der Glanz jener Tage vergangen. Wo einst durchsetzungskräftige und fähige Fachmänner lummerten, lemmern heute Pappnäsinnen und Pappnasen. Ein Pappnasenland der mäßig-mittelmäßigen Clowns also. Permanente Faschingsmentalität im Freizeitpark Lummerland einer spießig-muffigen Spaßgesellschaft der Lemminge. Der Weihnachtsmann, einst Respektsperson ist zum Hampelmann geworden, der auch Ostern über die Fernsehschirme flimmert. Die einst geschliffene lummerländische Hochsprache ist zu engelreichisch-ameristanistischem Gekäu oder undefiniertem Etwas („Waas guggst Duuu??“ „Hier wärden Sie gehollfän!“ „Isch nix deitsch, isch Auß-Lendär&ldquo verkommen. Der lummerländische Bundos-Adler hat je nach Belieben mal 5, mal 6, mal 9 Schwingen, die mal am Staatsvogel anliegen und mal abspreizen. Er repräsentiert die Grundhaltung der heutigen lummerländischen Politiker: Heute so, morgen ahso, übermorgen soso. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. Gestern war heute morgen und morgen übermorgen. Morgen ist heute gestern und gestern vorgestern. Wer nicht klever kungelt wie ein Hütchenspieler, ist selbst dran schuld. Der Anständige ist der Dumme. Wer nicht abzockt, wird nicht reich. Arbeit ist keine Leistung, sondern persönliche Dummheit. Wer keine Connections hat, bleibt „arbeitslos“ und wird zum neuen Schildbürger. Wie war das noch mal mit den Schildbürgern? Ach nee, das interessiert doch heute kein Schwein mehr. Wer überhaupt weiß noch, wo Schildau liegt. Im Ostzonen-Lummerland, ausgerechnet dort! Im Land des großen Aufschwungs, der als Rohrkrepierer in der Kanone (des Ost-Beauftragten des Kanzlers Gerhard I.) stecken blieb. Im Land der blühenden Landschaften. Ja richtig, im LAND der blühenden LANDSCHAFTEN. Oft ist Löwenzahn das einzige, was blüht. Wer nicht faustdick lügt, kommt nicht weit. Wer nicht weit kommt, gilt als Versager. Wer richtig lügt und optimal trickst, ist ein Supermensch. Super ist lateinisch und heißt „über“. Ein Übermensch also. Der Versager ist folgerichtig ein Untermensch. Untermensch? Nee, daran erinnern wir uns lieber nicht.

Lummerland, Lügenland. Lummerland, Zockerland.

Lemminge zeichnen sich allgemein dadurch aus, dass sie kollektiv-gedankenlos in den Abgrund springen, wenn ihnen eine Leitfigur den Befehl hierzu gibt. Dieses Axiom scheint für lummerländische Lemminge in besonderer Weise zuzutreffen. Wenn ihnen - den Lemmingen - eine Pappnasen-Leitfigur einredet, es gäbe keine Lösungen, keine Patentrezepte gegen Massenarbeitslosigkeit und Staatsverschuldung, dann nicken sie diesen bodenlos-dummdreist-frechen Unfug auch millionenfach synchronisiert ab. Kaisertreu, lummer und doof. Dumm geboren und nix dazu gelernt. Denken und hinterfragen verboten. Hingegen ist das Lesen der Wild-Zeitung – das Zentralorgan des schlechten Geschmacks, der dummdreisten industriellen Meinungsmanipulation und der Multi-Kulti-Umerziehung – nicht nur erwünscht, sondern bundos-lummerländische Pflicht. Und wiiiie die Lemminge diese Pflicht erfüllen. Ganz so wie einst beim Hinkel.

Hinkelpflichtbewusstes Lummerland.

Pappnasen-Leitfiguren hat Neu-Lummerland in großer Vielzahl aus sich selbst heraus geschöpft, wie staatliches Falschgeld. Es sind Figuren besonderer Art, die den altehrwürdigen Kaiser Wilhelm vor Neid erblassen lassen würden, könnte er aus seinem Grab steigen. Da ist zum Beispiel der Kanzler, nicht der Eiserne, sondern der mit der ruhigen Hand. Vermutlich hat er nur eine, aber das haben Wissenschaftler noch nicht exakt ergründen können. Gerhard der Erste mit den vier Ringen und seiner ....... Gattin Doris der Vierten. Mediengeil und kamerageübt. Trefflicher auch als die Große Rote Flasche bezeichnet, die sich an irgendwelchen Zahlen messen lassen wollte. Die Arbeitslosenzahlen waren es wohl. Sein Vorgänger (Helmut der Erste mit der großen Bundos-Birne und dem flachen, extradicken Hintern, mit dem sich alles aussitzen ließ. Helmut, der unauffällig-schwarze Geldkoffer durch die Gegend trug.) wollte die Arbeitslosenzahl halbieren. Zum Glück hat er dies Kraft seines Amtes unterlassen, sonst würde diese Zahl heute „Osenzahl“ heißen. Ein solches Wort wäre vielleicht „trändie“, klänge aber irgendwie ein wenig dusselig. Man könnte es mit Ochsenzahl verwechseln. Letztere auch eine statistische Größe, die sich nicht genau ermitteln lässt, gewiß aber auch wesentlich höher liegt, als offiziell in Amtsblättern zugegeben. Da gibt es auch den Meenzer Ministerpräsidenten Roland Joch mit den charakteristischen Schmissen im Gesicht aus seiner Zeit studentischer schlagender Verbindungen, der sich in dummfrecher Manier an den sozial schwachen Lemmingen vergeht und ihnen nur zu gern lieber heute als morgen mit zynischem Grinsen ameristanische Repressionen nach Wisconsin-Modell überstülpen will. Ein noch trefflicherer Vertreter der Pappnasengarde ist Guido Gesterwelle, staatlich geprüfter Oberschwätzer der Freien Lummerland Partei (FLP), auf dem körperlichen und vermutlich auch geistigem Stadium eines Unterprimaners stehen geblieben, pubertär-schwatzhaft mit jungfräulichem Rühr-Mich-Nicht-An-Blick und dem penetrant gackerndem Lachen einer lebenslang männerlos gebliebenen alten Frau. Eine solche ist im Parlament der sogenannten BRL (Bundes-Republik Lummerland) natürlich auch leibhaftig und mit dem unverwechselbaren Charme eines abgebrochenen Besenstils präsent und nennt sich Angela Merklin. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem Hersteller von Modelleisenbahnen, der sich Märklin schreibt und im Gegensatz zu Angela nicht Blech redet, sondern solches sinnvoll zu Spielzeug verarbeitet. Von den heutigen Zeitgeist-Lemmingen vermutlich schon vergessen ist beispielsweise die abgehalfterte Familienministerin aus der Regierung Helmut des Ersten, der Bundos-Birne. Ich meine Claudia Holte aus dem Provinzkaff Ülmenau, im Ostzonen-Lummerland Süringen gelegen, wo die Berge des umliegenden Waldes auf den Kopf des Lemmings drücken. Clauda war von Jedermann dadurch erkennbar, dass auf der Heckscheibe ihres für ihren Status viel zu popligen Kleinwagens ein Aufkleber mit der Inschrift „Mein Vogel heißt Bernhard“ prangte. Leider fehlte daneben ein Bundos-Adler, am besten mit 13 Schwingen und 10 Tassen an den Krallen, die genannter Dame im häuslichen Schrank abhanden gekommen waren. Die Tassen meine ich. Allein die Pietät verbietet, an dieser Stelle tiefer zu bohren.

Lummerland – Dummerland.

Hochinteressant auch Gregor Tisy von der PJD, der Partei des Lummerländischen Sozialismus. Nix am Hut mit dem Humanistisch-Ergokratischen Sozialismus (er hatte einmal im Jahre 98 Kontakt damit und ging im Anschluß unverzüglich im Laufschritt zum katholischen Pfarrer, sich die Beichte abnehmen zu lassen angesichts des angeblich unverdünnten Teufelszeuges aus der rechtsradikalen Ecke), genetisch ein Halb-Schildbürger (darf man das heute überhaupt so sagen?) und mental ein Voll-Schildbürger. Denktechnisch gewissermaßen auf dem Niveau der Schwatzbude eines runden Tisches von 1990 stehen geblieben, muß man ihm wenigstens zugestehen, die Schwerkraft noch zu empfinden. Immerhin weiß er sehr genau zwischen „Unten“ und „Oben“ zu unterscheiden und er hat auch Mut, denn er spricht die Wortgruppe „Umverteilung nach oben“ laut im Bundos-Tag der Stadt Germania (neuerdings wie gesagt als BERLIN bezeichnet) aus. Eines jedoch hat auch Tisy nicht geschnallt: Ein Standpunkt ist ein Horizont mit dem Radius Null! Nicht vergessen dürfen wir auch den Schniegelmann mit der Silberlocke aus dem bajuwarischen Münchdorf. Edmund der Stauber. Kaiserteu und lummer in jedem Fall, doch doof garantiert nicht. Klever, parkettsicher, durchtrieben, dreigeschwänzt, ein Möchtegerne- und Siegegesicht allererster Güte. Typ väterlicher Freund, der keinen Sonntag den Kirchgang verpasst. Unzweifelhaft ein Vertreter der Hochadelfinanz, die in Münchdorf seit Jahren fröhliche Urständ feiert und ihre Spaßgesellschaft organisiert. Es lebe der Maximalprofit aus der Brüstungsindustrie! Wo Lemminge angeblich zu teuer sind, holt man sich Romänlinge, Polanlinge, Albanlinge, Türklinge und andere Nicht-Super-Menschen, so die „Denke“ des Vordenkers Stauber. Heil dir dem Siegerkranz! Ein rechtes-rechtes Führertier mit lummerländischer Leitkultur für Lemminge, die alles kollektiv abnicken und ohnehin große Affinitäten zu latenen Gröfazen haben. Mit einem Novum allerdings: Sie (die Arbeitnehmer-Lemminge) müssen endlich einsehen, an den Arbeitsplatz noch Geld mitzubringen, anstatt solches in Form von Lohn oder Gehalt zu fordern. Eine Spende für die armen, bedürftigen und bedauernswerten, notleidenden Unternehmer-Lemminge!

Lummerland – Lummer befiel, wir folgen dir.

Lummerländische Politiker - so haben Wissenschaftler festgestellt - sind immer auch Partisanen des sinnfreien Satzes. Sie tragen die Worthülsen am Patronengurt der Hosenschnalle. Und zwar ausnahmslos alle.

Und aber nun wird die ganze Angelegenheit so richtig interessant. Ein Floh kann einem Löwen nämlich mehr zusetzen, als ein Löwe einem Floh. Ein Floh „pisackt“, viele Flöhe gar können tödlich sein. Da gibt es doch tatsächlich in jüngster Zeit Lemminge, die aus der Reihe tanzen und begonnen haben, selbständig zu denken. Ich weiß, ich weiß, eigentlich ist das ja verboten. Aber verboten ist so vieles, was richtig Spaß macht.... Und ganz besonders Spaß macht das sogenannte Quer-Denken.

Einige, es müssen wohl Rechts- und Linksanwälte gewesen sein, haben irgendwann, irgendwie herausgefunden, dass die Schriften von Färber und Feder noch existieren. Sie waren jedenfalls versehentlich allen Bücherverbrennungen (auch den geistigen!) entronnen. Ergokratische Freiwirtschaftslehre heißt das Stichwort. Die Erde ist rund und keine Scheibe. Das ruft in Neu-Lummerland die moderne Inquisition auf den Plan. Die Erde hat bitteschön eine Scheibe zu sein, wenn die Pappnasen-Leitfiguren es befohlen haben! Basta! Denn: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“ Ergokratie - Ein alter Hut in neuen Schläuchen? Oder Lösung der brennenden Probleme in Lummerland und anderswo? Das muß wohl zukünftig jeder Lemming selbst herausfinden. So denn er fähig und willens ist, seinen geistigen Hintern vom Sessel zu erheben.

Und die lummerländischen Rechts- und Linksanwälte haben auch noch mehr herausgefunden, was mächtig zum Himmel stinkt, wenn man den Deckel aufmacht.

Und Lummerland selbst? Es geht den Bach herunter. Der Karren, erst entgleist im Dreck gelandet, rollt jetzt immer schneller werdend führerlos (Nein, dieser Führer ist nicht gemeint, den Gröfaz bitteschön wollen wir nie wieder!) den Hang hinunter. Die Deichsel streng hangabwärts zeigend. Auf dem Wagen nur noch Plunder liegend, an der Seite ein Schild: „Aufschwung Ost“. Lummerland – Abwärtsland. Die Klugen sind längst abgesprungen. Zu ihrer Ehrenrettung muss man erwähnen, dass sie nach dem Sprung noch riefen: „Rette sich, wer kann!“

Und wie sieht die Zukunft aus? Das wollen wir im zweiten Teil lesen. Wird nun aus Lummerland eine einzige große Denkfabrik?

Lassen wir uns überraschen.

#3 RE: Die Fabel Lummerland von Ulrich Walluhn 18.06.2018 12:20

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Lummerland
Zweiter Teil.
Eine messerscharf-bissige Satire aus der real existierenden Märchenwelt
Von Ulrich Walluhn, Erfurt – aus der Denkfabrik Thüringen

Einst, als die Spatzen noch Gamaschen trugen und als Tür, Tor und Not noch mit „Ha“ nach dem „Te“ geschrieben wurden, war Lummerland eine große Industrienation inmitten des Kontinentes Atlantis, umgeben von überwiegend neidischen, streitsüchtigen Nachbarn. Aber die Jahre danach hatten viel verändert. Aus Lummerland Ost und Lummerland West wurde im Jahr 90 Neu-Lummerland unter Kanzler Helmut dem Ersten, der berühmten Bundos-Birne. Lummerland Ost wurde dabei völlig untergebuttert. Clevere West-Lemminge hatten die Treufuß-Anstalt unter Leitung von Birgit Greuel gegründet. Frau Greuel hatte nämlich einen Meisterbrief im Geldverschleudern, mit dem sie auch die Atlantis’sche Ausstellung IXPO 2000 in Bonnover in den Abgrund riß und dabei viele Lemminge anstatt an den Arbeitsplatz nun zum Arbeitslosenverwaltungsamt schickte, wie sie das schon zuvor in Ost-Lummerland ausgiebigst geübt hatte. Bravo! Frau Greuel ließ einfach nix aus. Sie schickte windige Geschäftemacher in den Osten, die in Anzug, Schlips und mit Köfferchen im dicken Daimler daherkommend allerlei Unheil anrichteten. Zuvor hatten diese sich selbst Manager nennenden undurchsichtigen Gestalten eine Hühnerschule besucht: Gackern, ein Ei ins Nest legen, tüchtig herumfuchteln, viel Wind machen, alles durcheinander wirbeln, hinkacken und dann abhauen. Alle Betriebe, die sogenannten LVB (Lummerländische Volks-Betriebe), wurden ganz schnell platt gemacht. Des Volkes Eigentum ward anschließend heimlich, still und leise einkassiert, die Spuren allen Teufelswerkes schnell vertuscht. Fast zwei Millionen Lemminge blieben zurück ohne Arbeit und guckten fortan dumm und langzeit aus ihrer volkeseigenen Wäsche. Lummerland Ost war seitdem ein Entwicklungsland wie Nigeristan. Nur ein paar Inseln der Glückseeligkeit erhoben sich wie Phönix aus der Asche: Resden, Wena und das Lemming-Volkswagenwerk Wickau-Cosel. Und diese Inseln waren es auch, um die alle Pappnasen-Leitfiguren laut grölend tanzten, wie geschminkte Indianer mit der Trommel um den Weihnachtsbaum. Dabei beweihräucherten sie sich immer wieder selbst und merkten überhaupt nicht, wie sehr sie sich in aller Welt lächerlich machten.

Lummerland – Weihnachtsbaumland.

Doch die Zahl der Weihnachtsbäume blieb klein, man konnte es drehen und wenden wie man wollte. Daran änderte auch Kanzler Gerhard der Erste (die Große Rote Flasche) nichts, der im Jahr 98 den Thron bestieg. Ganz im Gegenteil, er verdreifachte das Chaos in Lummerland Ost nur, indem er dem Lummervolk immer mehr Steuern und Abgaben abpresste. Und ein sinnloses Gesetz jagte das nächste noch sinnlosere. Was machte er nur falsch? Am 12. Februar des Jahres 102 gab ganz versehentlich eine Ministerin, nämlich Brigitte Grünast das Geheimnis im Fernsehen Preis. Wohl nur aus Dummheit, kommt doch Brigitte selbst nicht einmal auf einen grünen Zweig, geschweige denn grünen Ast. Sie hatte im Biologieunterricht nicht aufgepasst und war vermutlich wie Silberlocke Edmund der Stauber in der Grundschule sitzen geblieben. Brigitte jedenfalls gab ihr Geheimwissen dem Volke bekannt: „Nur wenn man von Kindesbeinen an Müsli isst, wird man ein Minister, so wie ich.“ Aha, da haben wir es. Des Pudels Kern! Die große Rote Flasche hat nie Müsli gegessen.

Lummerland – Müsliland.

Bei allem Dummsabbel um Müsli, Weihrauch, Weihnachtsbaum, Inseln des Aufschwungs, Reformstau, Wohlstandsmüll, Rentnerschwemme, Gotteskriegern, Nullwachstum und anderem zivilisierten Menschen unverständlichem Zeug rollte der alte Karren Lummerland unbemerkt und steuerlos den Abhang hinunter. Und als die Pappnasen aufhörten zu streiten und zu sabbeln, war der Karren schon aus ihrem Sichtwinkel verschwunden. Sie rannten plötzlich kollektiv an den Rand des Abgrundes und schauten mit großen, geweiteten Kinderaugen ungläubig hinunter, ganz so, als sei ihr Spielzeug entfleucht. Der Karren, eine dicke Staubspur hinterlassend, war schon ganz da unten, klein wie eine Streichholzschachtel und er raste und raste unaufhörlich weiter...


März im Jahre 102:
Arbeitslose: 6,0 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 2,8 Millionen
Staatsverschuldung: 2.850 Milliarden Teuro
Die Regierung Gerhard des Ersten muss die Zahl 6 Millionen offen zugeben. Das Wirtschaftswachstum kommt zum Stillstand. Die Zahl der Firmenpleiten erreicht Höchststand seit Gründung des Lummerlandes West.

April im Jahre 102:
Arbeitslose: 6,5 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 2,9 Millionen
Staatsverschuldung: 2.990 Milliarden Teuro
Die Regierung Gerhard des Ersten hält sich die ruhige Hand (fest). Gerhard wird von der Opposition zum Arbeitslosenvernichtungskanzler ernannt.

Mai im Jahre 102:
Arbeitslose: 7,2 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 3,0 Millionen
Staatsverschuldung: 3.100 Milliarden Teuro
Die Regierung Gerhard des Ersten spricht noch immer von einer Art Endsieg (wie einst der Hinkel, als Walin mit seiner Grünen Armee kurz vor Germania stand) und den großen, großen Erfolgen ihres „genialen“ Job-Passiv-Programmes, dass sie durch eine Reform der Arbeitslosenverwaltungsämter flankiert hat.

Juni im Jahre 102:
Arbeitslose: 7,6 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 3,1 Millionen
Staatsverschuldung: 3.350 Milliarden Teuro
Die Regierung Gerhard des Ersten steckt den Kopf in den Sand und macht auf „Vogel Strauß“. Die Opposition bekommt statt dessen kollektives Fracksausen.

Juli im Jahre 102:
Arbeitslose: 7,8 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 3,5 Millionen
Staatsverschuldung: 3.650 Milliarden Teuro
Die Regierung Gerhard des Ersten tritt nach heftigen Disputen im Bundos-Tag komplett zurück. Es kommt zu vorzeitigen Neuwahlen im Lummerland mit dem Ergebnis:
31 % CLU (Edmund der Stauber der biedere Großpapa von nebenan)
25 % SPL (Gerhard der I. die Große Rote Flasche)
8 % PLS (Gregor Tisy der Halbschildbürger ohne Wagenknecht)
6 % NPL (namenlose Hinkelfreunde)
6 % FLP (Guido Gesterwelle mit seiner Truppe der Besserverdienenden)
6 % Gröll-P (Roland Barnabas Gröll der Sicherheitsexperte)
6 % Blaue (Joschi Wischer der gewendete Pazifist)
5 % LVU (Dr. DR. Bley der dreigefuchste Medien-Republikaner)
7 % sonst. über 150 Splitterparteien, alle unter 5 % bleibend
Es wird eine Große Koalition von CLU, SPL, FPL und Blauen unter Edmund dem Stauber gebildet. Man verspricht den Lemmingen rasche Wirtschafsreformen, viele neue Arbeitsplätze und allerlei mehr.

August im Jahre 102:
Arbeitslose: 8,1 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 3,9 Millionen
Staatsverschuldung: 3.900 Milliarden Teuro
Die Regierung Stauber denkt nach.


September im Jahre 102:
Arbeitslose: 8,4 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 4,1 Millionen
Staatsverschuldung: 4.050 Milliarden Teuro
Die Regierung Stauber denkt nach.
In Ameristan ereignet sich ein neuer, schrecklicher Terroranschlag. Ben Luden lässt nahe Chicago Flugzeuge in ein Atomkraftwerk rasen. Es gibt zehntausende Tote, weite Gebiete müssen wegen Strahlenschäden evakuiert werden. Ameristan droht 23 sogenannten Schurkenstaaten mit Krieg und Vergeltung.

Oktober im Jahre 102:
Arbeitslose: 9,2 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 4,5 Millionen
Staatsverschuldung: 4.130 Milliarden Teuro
Die Regierung Stauber denkt immer noch nach. Man könnte fast meinen, alle seien eingeschlafen.
In der ameristanischen Großstadt Alt Jork kommt es an der Tall-Street zum Börsenkrach. Der Handel mit tausenden Aktienpapieren wird ausgesetzt. Der Index Fuchs fällt innerhalb weniger Stunden von 6230 auf 1820. Alle anderen Börsen stürzen nach. Der weltweite Finanzhandel wird ausgesetzt. In Ameristan gründet sich eine Exilregierung der seit Jahrhunderten in Lager weggesperrten Ureinwohner.

November im Jahre 102:
Arbeitslose; 9,7 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 4,6 Millionen
Staatsverschuldung: 4.180 Milliarden Teuro
Die Regierung Stauber hat aufgehört, nachzudenken.
Die Große Koalition Lummerlands tritt nach schweren Auseinandersetzungen im Bundos-Tag, die teils zu Handgreiflichkeiten auswachsen, komplett zurück. Es kommt abermals zu Neuwahlen mit dem Ergebnis:
38 % SPL
26 % CLU
11 % PLS
10 % NPL
9 % Grill-Partei
6 % LVU
10 % sonstige als Konglomerat aus 231 Splitterparteien, von denen keine 5 % erreicht
Abermals wird eine Große Koalition aus SPL und CLU aber unter Tolerierung der PLS gebildet. Kanzler wird überraschenderweise erneut Gerhard der Erste. Es handelt sich jedoch nur um ein Notkabinett.

Dezember im Jahre 102:
Arbeitslose: 9,9 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 4,7 Millionen
Staatsverschuldung: 4.280 Milliarden Teuro
Es beginnt ein schwerer, harter Winter, der härteste seit 150 Jahren, zudem ununterbrochen bis Ende Februar 103 anhaltend. Über Wochen herrschen minus 35 Grad Celsius, eine Schneekatastrophe bricht über weiter Teile Lummerlands herein. Eisenbahn, Straßenverkehr und Energieversorgung brechen fast völlig zusammen. Hunger und Not vor allem in den Großstädten führen zu ersten Bevölkerungsaufständen. Die kommunalen Sozialämter haben keine Finanzmittel mehr zur Auszahlung der immensen Summen an Sozialhilfe. Es werden daher teilweise Lebensmittelgutscheine anstatt Bargeld ausgegeben.


Januar im Jahre 103:
Arbeitslose: 10,8 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 4,9 Millionen
Staatsverschuldung: 4.400 Milliarden Teuro
Die Regierung unter Kanzler Gerhard dem Ersten tritt - kaum an der Macht - vollständig zurück. NPL, LVU und Grill-Partei blockieren laufend den Bundos-Tag, die PLS hat ihre Tolerierung zurückgezogen. Lummerland ist unregierbar. In Germania (BERLIN) tritt erstmals eine sogenannte Lummerländische Exilregierung in die Öffentlichkeit, die ihre Solidarität mit der ameristanischen Exilregierung erklärt. Abermals werden Neuwahlen zum Bundos-Tag durchgeführt:
18 % SPL
16 % CLU
14 % PLS
14 % NPL
10 % LVU
19 % sonstige als Konglomerat aus 238 Splitterparteien, von denen keine 5 % erreicht
Es kommt abermals zu einer Großen Koalition, diesmal aber von SPL, CLU, PLS und LVU unter Kanzler Edmund dem Stauber. Nur mit größter Mühe konstituiert sich ein neuer Bundos-Tag. Die Differenzen zwischen PLS und LVU sind abgrundtief. Gerhard der Erste war als Kanzlerkandidat überhaupt nicht mehr angetreten. Die Regering erlässt zahlreiche Notverordnungen, die teils einander völlig widersprechen und in der Praxis überhaupt nicht umsetzbar sind.

#4 RE: Die Fabel Lummerland von Ulrich Walluhn 18.06.2018 12:21

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Februar im Jahre 103:
Arbeitslose: 11,2 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 5,1 Millionen
Staatsverschuldung: 4.700 Milliarden Teuro (alt)
Es kommt zum Zusammenbruch des Teuro im atlantis’schen Währungsgebiet. Notgeld, der Hilfs-Teuro wird in Lummerland ausgegeben, die Währungsunion des alten Teuro zerbricht. Neue Notstandsgesetze treten in Kraft. Das Bundos-Verfassungsgericht in Marlsruhe wird kurzerhand aufgelöst, als es den kritischen Zeigefinger erheben will. Strom gibt es nur noch stundenweise. Das Internet wird abgeschaltet, da sich in ihm zunehmend regierungsunfreundliche, politisch-revolutionäre Tendenzen ausbreiten. Hunger, Not und Obdachlosigkeit grassieren in allen Städten Lummerlands. Öffentlicher Nahverkehr findet kaum mehr statt. Benzinabgabe an Privatpersonen wird verboten. Alle privaten PKW werden zwangsstillgelegt. Privatreisen mit der Eisenbahn sind untersagt. 23 % der Stadtbevölkerung kann die eigene Wohnung nicht mehr bezahlen. Die Sozialämter geben nur noch Bezugsscheine für Lebensmittel und Bekleidung anstelle von Geld aus. Zeitungen dürfen nicht mehr erscheinen. Private Fernsehstationen werden geschlossen, es existiert nur noch ein Programm des Staatsfernsehens.
Die Lummerländische Exilregierung fordert das lummerländische Volk zum Durchhalten auf und veröffentlicht mehrere Deklarationen zur Nationalen Rettung, meist per Flugblätter oder auf Klebezetteln. Wenig später wird die gesamte Exilregierung in Germania verhaftet und ihr Eigentum beschlagnahmt.

März im Jahre 103:
Arbeitslose: 12,4 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 5,4 Millionen
Staatsverschuldung: 1500,88 Milliarden Hilfs-Teuro (alter Hilfs-I-Teuro)
Das lummerländische Grundgesetz aus dem Jahre 49 wird vollständig außer Kraft gesetzt. Freie Meinungsäußerung, Presse- und Versammlungsfreiheit werden verboten. Die allgemeine Arbeitspflicht wird eingeführt, obwohl freie Arbeitsplätze überhaupt nicht vorhanden sind! Es kommt zum Bankenzusammenbruch: Lummerländische Bank, Resdner Bank und Schmerz Bank gehen in Konkurs. Der Hilfs-Teuro als Währung bricht zusammen. An seiner Stelle wird der Hilfs-II-Teuro als neuerliches Notgeld ausgegeben. Ein Brot kostet 25.000 Hilfs-II-Teuro. Das Durchschnittseinkommen eines Arbeiters liegt bei 1200,50 Hilfs-II-Teuro pro Stunde brutto. Seit erstem Januar 103 hat es 75.814 neue Firmenzusammenbrüche gegeben. In großen Städten kommt es zu Hungerrevolten und grenzenlosem Chaos.
Die Lummerländische Exilregierung verkündet aus der Untersuchungshaft in Germania-Plötzenteich ihr Humanistisch-Ergokratisches Rettungsprogramm über das Fernsehen. Infolge eines Fehlers des aufsichtsführenden Justizbeamten während des Freiganges auf den Gefängnishof (er hatte nach Abschluß der Hofpause die Türen verwechselt!) konnten 3 Regierungsmitglieder entfliehen und einen benachbarten Studioraum erreichen. Die Übertragung wird allerdings nach 15 Minuten unterbrochen. In einer Gegenerklärung der Regierung Edmund des Staubers wird die Exilregierung als Gruppe geisteskranker, krimineller Spinner bezeichnet und lächerlich gemacht. Nachahmern droht man zugleich empfindliche Strafen an.

April im Jahre 103:
Arbeitslose: 12,8 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 5,6 Millionen
Staatsverschuldung: 366.582,69 Milliarden Hilfs-II-Teuro
In Ameristan ereignet sich ein weiterer Terroranschlag der Gruppe Ben Luden: Ein Giftgasangriff mit Sprühflugzeugen zur Unkrautvernichtung fordert in Philadelphia 150.000 Opfer. Daraufhin bombardiert Ameristan 23 Staaten auf dem Kontinent Alasien massiv und ohne Kriegserklärung aus der Luft. Kina und Mussland drohen im Falle weiterer Angriffe mit atomaren Gegenschlägen. Die Weltbank bricht zusammen. Auf den Kontinenten Süd-Ameristan und Afrisanien brechen 30 lokale Kriege aus. Die Situation in Lummerland ist schier ausweglos.

Mai im Jahre 103:
Arbeitslose: 13,1 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 5,8 Millionen
Staatsverschuldung: 2.857.444,74 Milliarden Hilfs-II-Teuro
Seit dem ersten März 103 haben sich weitere 27.818 Firmenpleiten im Lummerland ereignet. Ganze Branchen, wie die Textilindustrie oder das Buchverlagswesen, sind restlos zusammengebrochen. Der Nahverkehr ist in 76 Städten vollständig ausgesetzt. Wer noch Arbeit hat, muss zu Fuß in seine Firma gehen. In 55 Städten gibt es keinen Strom mehr, weil dieser unbezahlbar wurde oder die Stadtwerke Konkurs anmelden mussten. En Brot kostet jetzt 136.000,- Hilfs-II-Teuro.

Juni im Jahre 103:
Arbeitslose: 13,2 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 5,8 Millionen
Staatsverschuldung: 733.608.345,25 Milliarden Hilfs-II-Teuro
Die Regierung Stauber tritt zurück. Die breitmaulig angekündigten weitreichenden Wirtschafts- und Arbeitsmarktreformen konnten nicht einmal mehr im Kabinett verabschiedet werden. Abermals kommt es zu Neuwahlen mit folgendem Ergebnis:
21 % CLU
20 % NPL
15 % LVU
15 % PLS
11 % SPL
5 % Grill-Partei
13 % sonstige, von denen keine 5 % erreicht
Als Kanzler der Großen Not-Koalition bestehend aus allen genannten Parteien (ein völliges Novum!) tritt erneut Edmund der Stauber an. Die Hälfte aller Ministerposten wird allerdings von der NPL, den Hinkelfreunden besetzt. Diese proben pausenlos den Aufstand im Bundos-Tag und organisieren unter ständigem Zeigen des SHL-Grußes (siehe erster Teil, Sieg-Heil-Lummerland-Gruß fortwährend Tumult. Die NPL-Funktionäre sind auf ihren Posten als Minister und einfache Abgeordnete jedoch völlig unfähig, sie beherrschen kaum die lummerländische Schriftsprache und verstehen keinerlei Fachtermini des Hohen Hauses. Sie grölen in ihren Braunhemden einfach nur herum. Das Haus ist arbeitsunfähig.
Die Lummerländische Exilregierung war kurz vor der Wahl vom inzwischen extra zu diesem Zweck neu in Germania installierten Verfassungsgericht ohne Anhörung und ohne Prozeß durch einfachen, unanfechtbaren Verwaltungsakt als „verfassungsfeindlich“ im Sinne des Parteiengesetzes erklärt worden, obwohl sie überhaupt keine Partei darstellt, sondern eine immer noch in U-Haft sitzende Gruppe Parteiloser. Sie konnte als überparteiliche Initiative daher nicht zu dieser Bundos-Tags-Wahl antreten. In heimlich von Sympathiesanten aus der Haftanstalt Germania-Plötzenteich geschmuggelten Flugblättern stellt sie mutig ihr Programm eines Humanistisch-Ergokratischen Sozialismus und ein Rettungsprogramm für Lummerland vor, das schnell großen Anklang in der notleidenden Bevölkerung findet und sich in Windeseile verbreitet.

Juli im Jahre 103:
Arbeitslose: 13,3 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 6,1 Millionen
Staatsverschuldung: 14.456.342.133,00 Hilfs-II-Teuro
Die Arbeitslosenquote ist auf 49,2 % angestiegen. Ihre weitere Veröffentlichung im einzig verbliebenen staatlichen Fernsehprogramm ist ab sofort streng verboten. Erneut werden straffe Notstandsgesetze verkündet. Unter anderem: Das Niedriglohngesetz, welches alle Lemminge verpflichtet, nur noch zu Niedriglöhnen zwangszuarbeiten, das Gewerkschaftsverbotsgesetz, das Gesetz zum Verbot privaten Post- und Fernmeldeverkehrs, das Gesetz zum Verbot privater Treffen von mehr als 4 Personen in Wohnstätten, usw. Der Hilfs-II-Teuro wird aus dem Verkehr gezogen und durch den Hilfs-III-Teuro ersetzt. Sämtliche Ersparnisse der Bevölkerung einschließlich Lebensversicherungen und Pfister-Rente werden entschädigungslos liquidiert. Ein Brot kostet jetzt 280.000 Hilfs-III-Teuro. 53 % aller Wohnungen in den großen Städten stehen leer und sind nicht mehr heizbar. Fast alle Stadtwerke und privaten Nahverkehrsbetreiber sind nach Konkursen handlungsunfähig. Es kommt zu massenweisen Plünderungen von Lagern und Geschäften mit Nahrungsmitteln und Bekleidung. Die Polizei ist dagegen machtlos, da für ihre Dienstwaffen keinerlei Munition mehr existiert.

August im Jahre 103:
Arbeitslose: 13,7 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 6,3 Millionen
Staatsverschuldung: 188.450.980.344.738.455,00 Hilfs-III-Teuro
Die Regierung Stauber erklärt offen den Staatsbankrott. Stauber wird durch revoltierende Abgeordnete der NPL in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Auf dem Bundos-Tag wird die Hinkel-Flagge gehisst. Die Lemminge beginnen Selbsthilfe zu organisieren und führen eine Tauschwirtschaft nach Punktesystem ohne Geld ein. Der Unternehmerverband Lummerlands löst sich auf. 59 % aller Unternehmen im Lande sind konkurs. Es fahren keine Züge mehr.

September im Jahre 103:
Arbeitslose: 14,2 Millionen
Sozialhilfeempfänger: 6,6 Millionen
Staatsverschuldung: keine Angaben in Hilfs-III-Teuro mehr!
Nur noch 22 % aller Betriebe in Lummerland sind handlungsfähig, die meisten arbeiten ohne Geld weiter. Auch Brot kostet kein Geld mehr, man erhält es nur noch über Tauschpunkte. Der Bundos-Tag wird von den Abgeordneten der NPL mit aus dem Ausland eingeschmuggelten Maschinengewehren belagert. Die Mitglieder aller anderen Parteien hat man des Hauses verwiesen oder in Schutzhaft genommen. Die NPL regiert de facto als Diktatur allein. Sie zieht das völlig wertlose Geld ersatzlos ein. An der Börse werden alle Aktien und Wertpapiere für wertlos erklärt. Der Besitz von derartigen Papieren wird unter Strafe gestellt. Alle Banken werden geschlossen. In allen Städten des Lummerlandes kommt es zu Massenaufständen und Barrikadenbau. 18 Arbeitsämter sind bereits durch plündernde Demonstranten restlos verwüstet worden. Aus rein wirtschaftlichen werden jetzt politische Forderungen nach Zerschlagung des herrschenden Gesellschaftssystems. Täglich finden Straßenschlachten mit der munitionslosen Polizei statt. Es fällt kein Schuss. Auch fehlen der Polizei überall Gummiknüppel. Die Armee kann infolge Benzinmangels nicht ausrücken. Massenweise sind Wehrpflichtige aus den Kasernen desertiert. Häuser und Paläste des Hochfinanzadels brennen und werden verwüstet. Nicht wenige ehemalige Einkommensmillionäre und Personen des öffentlichen Lebens, die sich in den Jahren zuvor durch besonderen Dummsabbel hervorgetan hatten, werden jetzt Opfer blinder Lünchjustiz. In Lummerland herrscht Bürgerkrieg, der sich wie ein Flächenbrand ausbreitet und nicht gelöscht werden kann, weil selbst das Löschwasser fehlt.

Oktober im Jahre 103:
Arbeitslose: keine Angaben mehr!
Sozialhilfeempfänger: keine Angaben mehr!
Staatsverschuldung: keine Angaben mehr!
Der Bundos-Tag ist teilweise verwüstet und wird immer noch von bewaffnetem NPL-Pöbel belagert.
Die Exilregierung Lummerlands kann aus der Haftanstalt entfliehen und erkämpft mit Hilfe der örtlichen Bevölkerung und plötzlich von irgendwo her kommenden Waffen die Hoheit über das staatliche Fernsehen, wo sie erstmals auch auftritt. Sie besteht aus nur 6 durchweg parteilosen Mitgliedern. Ihr Generalbevollmächtigter Dr. Tenk von Tauffenberg übernimmt mit seinem Stellvertreter Dr. Albrecht Lammer kommissarisch die Regierungsgewalt über Lummerland. Er hält eine 45-minütige Fernsehansprache in völlig freier Rede. Teile der Armee laufen zur Exilregierung über und schützen mit Panzern das Fernsehgebäude.

Lummerland – was wird aus dir?

#5 RE: Die Fabel Lummerland von Ulrich Walluhn 18.06.2018 12:22

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Lummerland
Dritter Teil.
Eine messerscharf-bissige Satire aus der real existierenden Märchenwelt
Von Ulrich Walluhn, Erfurt – aus der Denkfabrik Thüringen

Einst, als die Spatzen noch Gamaschen trugen und als Tür, Tor und Not noch mit „Ha“ nach dem „Te“ geschrieben wurden, war Lummerland eine große Industrienation inmitten des Kontinentes Atlantis, umgeben von überwiegend neidischen, streitsüchtigen Nachbarn. Doch inzwischen steht Lummerland dank jahrzehntelanger politischer Unfähigkeit Kopf. Das öffentliche und Wirtschaftsleben ist zusammengebrochen. Die wie aus dem Nichts aufgetauchte Exilregierung Parteiloser sitzt im Gebäude des Staatsfernsehens von Germania. Große Teile der Lummerland-Armee laufen jetzt zu ihr über. Plötzlich rollen in Germaina weitere Panzer auf (wo mag nur das Benzin jetzt hergekommen sein?) und machen den Weg zum Bundos-Tag frei. Ein mutiger General mit dem Namen von Kreisau stürmt mit seiner kleinen Truppe das von NPL-Pöbel besetzte Hohe Haus am Spree-Bogen.

November des Jahres 103:
Die Lummerländische Exilregierung übernimmt kommissarisch die Macht in Lummerland. Sie besteht zunächst aus nur 6 allesamt parteilosen Mitgliedern und ruft die Republik Lummerreich aus:
1. Reichspräsident und Generalbevollmächtigter Dr. Tenk von Tauffenberg
2. dessen Stellverterter Dr. Albrecht Lammer
3. Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft, Arbeit und Sozialordnung Dr. Tino Schlenz
4. Minister für Verkehr, Energie und Ökologie Dr. Julius Lummermöller
5. Minister für Medien, Bildung und Kultur Dr. Gisela Leitzmann
6. Minster für Verteidigung, innere und auswärtige Angelegenheiten General Heinrich von Kreisau
Die Regierung - nunmehr Lummerländische Reichsregierung - stellt binnen weniger Tage ein Nationales Notprogramm auf. Lummerland tritt aus der Atlantis’schen Union aus, die ohnehin nur noch auf dem Papier bestand, da inzwischen alle Mitgliedsländer staatsbankrott gingen. Lummerland verlässt die Rato, den ameristanischen Militärpakt und erklärt seine Neutralität. General Heinrich von Kreisau bildet einen Lummerländischen Generalstab, schafft die allgemeine Wehrpflicht ab und formiert eine defensive Berufsarmee.
Die inzwischen einberufene Senfer Menschenrechtskonferenz der UMO erkennt das Lummerländische Reich als rechtsstaatlich existent an.

Dezember des Jahres 103:
Die Lummerländische Regierung führt das ergokratische referente Tauschgeld anstelle des überall praktizierten Punktesystems ein: 1 Lummerländische Mark (LM) = 100 Lummerländische Pfennige. Das neue Geld wird von der Lummerländischen Notenbank ausgegeben, seine Geldmenge über die Finanzämter geregelt. Zahlreiche Fachausschüsse werden einberufen. Einer dieser Ausschüsse erarbeitet die neue Verfassung, bestehend aus Teilen der alten Verfassung Lummerlands vom Jahre 19 sowie dem Grundgesetz des Jahres 49. Sie enthält (weltweit erstmalig!) das Grundrecht eines Jeden auf angemessene Erwerbsarbeit. Innerhalb weniger Wochen werden eine Reihe Gesetze verabschiedet, so beispielsweise:
Das Gesetz zur Beseitigung von Hunger, Elend und Not im Lummerland.
Das Gesetz zum Verbot des Geldhandels und der Geldspekulation.
Das Gesetz zum Verbot erwerbslosen Einkommens.
Das Gesetz zur Verstaatlichung der Privatbanken.
Das Gesetz zur Verstaatlichung der Versicherungswirtschaft.
Das Gesetz zur Rückverstaatlichung von Post, Bahn und Luftverkehr.
Das Gesetz zur strengen Kontrolle von Dienstleistungsunternehmen (u.a. Partnervermittlungen).
Das Mittelstandsförderungsgesetz.
Das Existenzgründergesetz.
Das Gesetz zur Bereinigung der lummerländischen Sprache.
Das Gesetz zur Begrenzung von Überstunden in der gewerblichen Wirtschaft.
Das Gesetz zur Durchsetzung humaner Arbeitsbeziehungen (Anti-Mobbing-Gesetz).
Das Gesetz gegen Lohndumping und Lohnwucher.
Das Mutterschaftsgesetz zur Erhöhung der Geburtenrate.
Das Herkules-Gesetz zur Zerschlagung von Staats- und Wirtschaftsfilz.
Das Gesetz zur Umstellung von Fahrzeugen mit Otto- und Dieselmotor auf alternative Technologien.
Das Gesetz über das Patentwesen und die wirtschaftliche Umsetzung von Patenten.

Januar des Jahres 104:
78,3 % der stimmberechtigten Lemminge sagen „Ja“ zur neuen Lummerländischen Reichsverfassung.
Die Regierung führt ein wichtiges Notprogramm ein, das Ergokratische Nationale Aufbauwerk und Arbeitsbeschaffungsprogramm zur Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit innerhalb von 3 Jahren. Im Gesetz zur Neuregelung der Steuern und Abgaben werden sämtliche bisher erhobenen Steuern abgeschafft und durch die automatische ergokratische Geldsteuer ersetzt. Auch die Mehrwertsteuer entfällt. Eingeführt werden jedoch 3 Sondersteuern, nämlich: Luxussteuer (50%), Tabaksteuer (20%) und Branntweinsteuer (20%).

Februar des Jahres 104:
Die Lummerländische Regierung proklamiert den Humanistisch-Ergokratischen Sozialismus im Lummerland und sieht Neuwahlen für Ende 104 vor. Das Nationale Aufbauwerk und Arbeitsbeschaffungsprogramm greift, die Arbeitslosenzahl sinkt auf 11,8 Millionen. Per Gesetz werden Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe abgeschafft und durch existenzsicherndes Bürgergeld ersetzt, dass an Bedürftige zunächst bis Ende 104 angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen ohne Nachweis einer Arbeitssuche gezahlt wird.

März des Jahres 104:
Infolge Abschaffung der Sozialhilfe beträgt die Zahl der Arbeitslosen jetzt 17,9 Millionen.
Die ergokratische Eröffnungsbilanz legt erstmals die umlaufende Geldmenge fest. Die von Phantomschulden bereinigte alte Staatsverschuldung erweist sich nach einer Tiefenprüfung als derart gering, dass sie innerhalb der automatischen Geldsteuer sofort ausgeglichen werden kann. Die Atlantis’sche Union wird aufgelöst. Seine ehemaligen Mitgliedsstaaten sind sämtlich staatsbankrott. In der Stadt Maßtrichter entsteht eine provisorische Regierung (Atlantis-Bündnis), die sich aus Vertretern aller dieser Staaten zusammensetzt. Lummerland entsendet einen Beobachter.
Eine internationale wissenschaftliche Kommission arbeitet die Staatsvergangenheit Lummerlands auf und deckt dabei skandalöse Völkerrechtsbrüche auf. Die Ergebnisse werden im lummerländischen Bildungsfernsehen populärwissenschaftlich dargelegt, das Volk ist allerorten entsetzt, so betrogen worden zu sein:
Das Lummerländische Reich, dessen Armeen am 9. Mai des Jahres 45 gesamtkapitulierten, wurde zu keiner Zeit für aufgelöst erklärt und hätte auch überhaupt nicht aufgelöst werden können, da Saager Landkriegsordnung und Senfer Konvention die Liquidation besetzter Staaten völkerrechtlich verbieten. Es bestand also de jure uneingeschränkt fort. Die jedoch am 25.02. des Jahres 47 durch den alliierten Kontrollrat (Kontrollratsgesetz Nr.46) vollzogene Auflösung des Staates Pruzzen als Teil des Lummerländischen Reiches war eindeutig ein völkerrechtswidriger Akt und blieb daher rechtsunwirksam.
Im Vorfeld zur Vereinigung von Lummerland Ost und Lummerland West hat am 17. Juli 90 der Außenminister Musslands (Stefanaze) kraft seiner Besatzermacht Verfassung und Staatsbürgerschaft der vorgeblich vollständig aber de jure als auch de facto nie souveränen LDR (Lummerländische Demokratische Republik) außer Kraft gesetzt. Die LDR war somit ab dem 17.07.90 staatsrechtlich wieder mussische Besatzungszone des alten lummerländischen Reiches. Am genau gleichen Tag hat der ameristanische Außenminister (Quaker) kraft seiner Besatzermacht Artikel 23 des Grundgesetzes der BRL (Bundesrepublik Lummerland) einfach gestrichen! Auch die BRL war also de jure und de facto nie souverän. Mit dieser Streichung hatte das Grundgesetz aber seit diesem Tag keinen Geltungsbereich mehr! Das bedeutet, das Grundgesetz an sich hat nun auch nicht mehr existiert. Daher kann auch die BRL an sich nicht mehr existiert haben, sondern ihr Gebiet war logischerweise wieder die Trizone des alten lummerländischen Reiches. Demzufolge war auch der „Zwei-und-Vier“-Vertrag vom 12. September 90, der die Vereinigung zweier souveräner lummerländischer Staaten regeln sollte, staats- und völkerrechtlich zu keiner Zeit gültig. Denn es gab ja eindeutig zwei derartige Staaten überhaupt nicht. Folgerichtig hat es ab dem 3. Oktober 90 auch kein Neu-Lummerland gegeben. Völkerrecht bricht Länderrecht! Ab dem 17.07.90 (und damit bis ins Jahr 104!) war Lummerland ohne rechtlichen Status und auch ohne Verfassung. Es war - wie zuvor - weiterhin Besatzungsgebiet mit einer zivilen Selbstverwaltung! Einen auf der Dotzdamer Konferenz im Jahre 45 zwingend vorgesehenen späteren Friedensvertrag hat es nie gegeben. Demzufolge handelt es sich beim Lummerland um ein Besatzungsgebiet in ziviler Selbstverwaltung unter Status des bloßen Waffenstillstandes. Da es auch keinen Friedensvertrag gab, in dem die endgültige Zugehörigkeit der abgetrennten Ostgebiete Lummerlands geregelt werden sollte, sind auch diese Gebiete staats- und völkerrechtlich eindeutig noch immer Teil des alten Lummerländischen Reiches, völlig gleichgültig der Tatsache, dass hier die lummerländische Bevölkerung vertrieben und die Gebiete längst polanisch besiedelt wurden. (Genau diese Rechtslage ist es auch, die die Senfer Menschenrechtskonferenz im Mai des Jahres 104 Lummerland in den Grenzen vom 31.12.37 wieder herstellen lässt!) Dies alles zu erfahren war ein harter Schlag für viele Lemminge, aber auch für viele Polanlinge. Sie konnten es kaum fassen.

April des Jahres 104:
Die Arbeitslosenzahl sinkt auf 13,6 Millionen.
Das Nationale Aufbauwerk und Arbeitsbeschaffungsprogramm ist in seiner ersten Stufe vollständig angelaufen. Über die zwischen 7 und 22 Uhr täglich geöffneten Arbeitsämter wird massenweise Personal in staatlichen und privaten Betrieben eingestellt.
Die Ergokratische Weltbank wird in Germania gegründet. Die umlaufende Geldmenge wird aufgrund sehr starken Wirtschaftswachstums laufend erhöht und jetzt monatlich anstatt jährlich überprüft.
Austerlitz - ebenfalls durch einen Staatsbankrott gebeutelt - erklärt in freier Selbstbestimmung seinen Beitritt zu Lummerland. Es wird Freistaat Austerlitz und führt die lummerländische Währung ein.

Mai des Jahres 104:
Die Arbeitslosenzahl sinkt auf 10,9 Millionen.
In Lummerland sind Ruhe und Ordnung wieder eingekehrt. Seit Januar konnten 38.655 in Konkurs gegangene Betriebe per Mittelstandsgesetz gerettet werden, 243.707 neue Unternehmungen sind seither gegründet worden. Die Lummerländische Staatsbahn erhält den Status einer gemeinnützigen Stiftung.
Unter Leitung der Senfer Menschenrechtskonferenz (231 teilnehmende Staaten) wird ein Friedensvertrag für Lummerland mit seinen ehemaligen Besatzungsstaaten Mussland, Engelreich und Frankenland geschlossen. Einbezogen wird auch Polanien. Ameristan verweigert die Teilnahme und erklärt sich in Fragen Lummerlands für nicht mehr zuständig. Lummerland wird Reichsrepublik, bleibt jedoch weitgehend bundosstaatlich organisiert. Es besteht aus Freitstaaten und Bundosländern. Seine Grenzen vom 31. Dezember 37 werden als völkerrechtlich gültig (unter Vorbehalt einer Volksabstimmung) wiederhergestellt. Die Senfer Konferenz erklärt das Dotzdamer Abkommen von 45 für ungültig. Unwirksam erklärt werden ferner sämtliche mit der Vereinigung von Lummerland Ost und Lummerland West im Jahre 90 geschlossenen Verträge und insbesondere der sogenannte Vier-und-Zwei-Vertrag der Bestzungsmächte.
Lummerland gliedert sich jetzt in die folgenden Länder: Schließlich-Vollstein, Niedersaxonia, Hansestadt Premmen, Hansestadt Humberg, Nordstein-Westfalia, Feinland-Palz, Laarland, Faden-Bürttemburg, Jessen, Freistaat Bajuwarien, Freistaat Thuringia (vormals Süringen), Freistaat Saxonia, Saxonia-Anhaltinien, Brandenberg, Germania, Tecklenburg-Vorpomerania sowie Freistaat Austerlitz.
Über den Beitritt aller anderen von der Senfter Konferenz Lummerland zugesprochenen Gebiete wird per Volksabstimmmung entschieden. Der Status des Mummellandes soll gesondert beraten werden.
Weitere vor allem notleidende Staaten erwägen ihren Beitritt zu Lummerland. In Germania wird deshalb der Ergokratische Staatenbund gegründet. Erstes Mitglied wird die Exilregierung der ameristanischen Ureinwohner. Der Beitritt Ameristans kann jedoch nur als symbolischer Akt vollzogen werden. Ameristan selbst droht unter Hinweis auf den „Schurkenstaaten“-Paragraphen den ergokratischen Ländern massive Luftschläge an.

Juni des Jahres 104:
Die Arbeitslosenzahl sinkt auf 8,3 Millionen.
Das Volk der Lemminge erklärt in einem Plebiszit, nicht länger „Lemminge“, sondern „Lummerländer“ zu heißen. Das Plebiszit ist Ausdruck des neuen Sebstbewußtseins. Von Parteien haben die Lummerländer allerdings die Schnauze voll. Trotz neuem Parteiengesetz kommt es nach Auflösung der Altparteien kaum zu Neugründungen.
Lummerland entsendet eine Schutz- und Friedenstruppe nach Israelien, um den Völkerkonflikt mit Palestinensien ausräumen zu helfen. Das immer noch notleidende Afganistanien tritt dem Ergokratischen Staatenbund bei. Kurz darauf folgen Pakistanien, Usbekistanien, Turkmenistanien, Tadschikistanien, Irakien, Iranien und Bangladeschien. In allen genannten Ländern wird das referente Tauschgeld, die lummerländische Mark eingeführt. Die umlaufende Geldmenge erhöht sich darum stark. Bangladeschien zählt zu den ärmsten Ländern der Erde und erhält ein Soforthilfe-Notprogramm. Ameristan droht erneut mit – diesmal sogar atomaren - Luftschlägen und setzt Lummerland ein Ultimatum zur Auflösung des Ergokratischen Staatenbundes.

Juli des Jahres 104:
Die Arbeitslosenzahl sinkt auf 6,6 Millionen.
Lummerland schließt einen Freundschafts- und Beistandspakt mit Mussland. Die Atommacht Indianien mit fast einer Milliarde Einwohnern tritt dem Ergokratischen Staatenbund bei. Es folgen noch im gleichen Monat Kubanien (vor den Toren Ameristans gelegen), Vietnamesien, Laotien und das soeben proklamierte Palästinensien. Ameristan rudert anschließend aufgeschreckt zurück, das gestellte Ultimatum wird hinfällig.

August des Jahres 104:
Die Arbeitslosenzahl sinkt auf 4,8 Millionen.
Im neuen Mutterland der Schildbürger, Israelien wird die Regierung durch Militär und Polizei gestürzt. Die neue kommissarische Regierung dieses Landes schließt einen Friedensvertrag mit Palästinensien ab.
Die Abstimmungsgebiete gemäß Senfer Konferenz haben sämtlich ihre neue Zugehörigkeit zu Lummerland erklärt. Die Abstimmung fiel allerorten mit überwältigender Mehrheit zu Gunsten Lummerlands aus, lediglich im Raum Rosen stimmte die überwiegend alt-polanische Bevölkerung knapp ab.
Lummerland verändert demgemäß seine Länderstruktur. Tecklenburg wird eigenständiges Land. Zum Freistaat Pruzzen schließen sich die Länder Saxonia-Anhaltinien, Niedersaxiona, Brandenberg und Vorpomerania zusammen, während Rosen-Westpruzzen, Ostpruzzen, Hinterpomerania, Lesien und Oberlesien zu diesem hinzutreten. Die einzelnen Länder bleiben jedoch als Provinzen Pruzzens erhalten. Dunzig wird Freie- und Hansestadt. Die neu hinzugetretenen Gebiete werden fortan in doppelter Amtssprache verwaltet.
Die Abstimmung in Mummelland ergab den Verbleib bei Litanien. Das verbliebene und nun allein kaum lebensfähige Rest-Polanien wird wunschgemäß gleichzeitig Mitglied des Ergokratischen Staatenbundes und kann so seine Stellung in Atlantis erheblich verbessern. Ergokratische Währung und Freiwirtschaft sorgen auch hier für einen ruckartigen Aufschwung.

September des Jahres 104:
Die Arbeitslosenzahl sinkt auf 3,3 Millionen.
Der Staatenbund beschließt ein Not- und Soforthilfeprogramm für die immer noch hungernden Völker auf den Kontinenten Afrisanien und Alasien. Die sogenannten Baltesischen Staaten Litanien, Lettien und Estien erklären ihren Beitritt zum Ergokratischen Staatenbund.


Oktober des Jahres 104:
Die Arbeitslosenzahl sinkt auf 2,7 Millionen.
In der Hauptstadt Germania wird ein Denkmal am Anhaltinischen Bahnhof enthüllt. Es zeigt die beiden Nationalökonomen Heinrich Färber (1864 bis 1941) und Gottfried Feder (1883 bis 1942).
Die Ergokratische Weltbank verlegt ihren Sitz symbolträchtig nach Carbul in Afganistanien. Der Ergokratische Staatenbund beschließt in Germania den Aufbau eines Eisenbahn- und Straßenwesens in den beigetretenen Entwicklungsländern unter Leitung Lummerlands. Kina schließt einen Freundschaftsvertrag mit dem Ergokratischen Staatenbund ab.

November des Jahres 104:
Die Arbeitslosenzahl sinkt auf 1,6 Millionen.
Das lummerländische Volk erklärt in einem Plebiszit (82,6% Ja-Stimmen) die bisherige Lummerländische Reichsregierung zur legitimen Regierung Lummerlands und wählt im Direktverfahren die Abgeordneten zur Nationalversammlung. Es treten keine Parteien, sondern nur Personen zur Wahl an.

Dezember des Jahres 104:
Die Arbeitslosenzahl sinkt auf 0,8 Millionen.
Seit Inkrafttreten des Nationalen Aufbauwerkes wurden bei der Lummerländischen Staatsbahn insgesamt 663.580 neue Arbeitskräfte in 738 Berufen eingestellt.
Der Ergokratische Staatenbund und befreundete Staaten beschließen den Bau einer doppelspurigen Magnetschwebebahn (Transrapid) Parisia-Germanina-Warsawa-Moskwa-Pekinesien.

Januar des Jahres 105:
Die Arbeitslosenzahl sinkt auf 0,2 Millionen.
In Lummerland tritt eine Verknappung von Arbeitskräften ein. Über das Arbeitsministerium werden daher Arbeiter und Angestellte aus anderen Mitgliedsstaaten des Ergokratischen Staatenbundes angeworben.
73 weitere Staaten erklären ihren Beitritt zum Ergokratischen Staatenbund. Auch hier wird das referente Tauschgeld, die lummerländische Mark eingeführt. Das ergokratische Wirtschafts- und Währungsgebiet wird damit zum größten der Welt. Das sich gerade erst mühsam erholte ameristanische Wirtschafssystem beginnt zusammenzubrechen, wie einst das lummerländische. Die ameristanische Exilregierung mit Sitz in Germania ruft das ameristanische Volk auf, die überlebte, unbrauchbar gewordene ameristanische Gesellschaft friedlich zu überwinden.



Ja, lieber Leser. Das war das Märchen vom Lummerland. Und wenn die Lummerländer nicht gestorben sind, dann gehen sie noch heute ihrem Tagwerk nach und verrichten lummerländische Wertarbeit. Ganz so wie in jener Zeit, als die Spatzen noch Gamaschen trugen und als Tür, Tor und Not noch mit „Ha“ nach dem „Te“ geschrieben wurden. Die streitsüchtigen Nachbarn von damals allerdings waren längst Freunde geworden und hatten ihre jahrtausende alten Gebietsstreitigkeiten endlich begraben.

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