#1 Gedanken zu Weihnacht 2019 von Ulrich Walluhn 18.01.2020 13:38

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Gedanken zu Weihnacht 2019

Weihnacht steht vor der Tür. Viele Menschen hetzen durch das Land, sind im Stress, im sogenannten Weihnachtsstress, um ja nichts zu verpassen oder falsch zu machen, oder zu vergessen. Der Konsumterror treibt sie durch Ladengeschäfte und Internetshops. Andere Menschen sind aus diesem Stress ausgestiegen. Sie besinnen sich, gehen in sich, denken nach, verbringen mit ihren Familien und Freunden feierliche Stunden in ihrem Zuhause. Weihacht 2019. Einst ein christliches Fest, heute ein Event, ein Umsatzantreiber, eine schrill-bunte Show im Kaufwahn des Zeitgeistes.

Nicht mit mir! Weihnacht 2019 heißt für mich Stille, Besinnlichkeit, Einkehr, Gespräche mit Freunden, Familie. Es gibt diesmal kaum Geschenke. Selbst der bunt geschmückte Weihnachtsbaum fehlt. Es genügt eine schlichte Lichterkette, die aus Tradition vom 02. Dezember bis 02. Februar des Folgejahres – meinem Geburtstag – ununterbrochen leuchtet. Ich unterbreche nun während der Festtage meine Arbeit, die das ganze Jahr über anhält, meist ohne Einkommen, also im Ehrenamt, in meiner Berufung als Historiker für Lokomotivgeschichte, als Fotograf meiner Heimat, als Modellbauer, als Zuhörer der Musik meiner Jugendzeit.

Ich war immer anders als der Durchschnittsbürger und werde immer anders bleiben. Manche meinen, ich sei rechts, andere ich sei links, wieder andere nennen mich einen weltfremden Spinner. Aufhorchen ließ mich die Äußerung einer Frau mittleren Alters im Sommer 2019 an den Erfurter Drei Quellen, die ich seit 2018 regelmäßig ehrenamtlich mit Besen und Schaufel reinige. Sie meinte, ich sei der „Jesus von Erfurt“. Das ließ mich nachdenken. Oh nein, mit Jesus kann ich es nicht aufnehmen, ich bin ein viel zu kleines Licht. Von der Haarlänge allerdings ganz sicher. Böse Zungen meinen, ich sei der „Kujau der Eisenbahngeschichte“ und irren auch hier. Oh nein, auch mit Konrad Kujau kann ich es nicht aufnehmen. Könnte ich malen wie er, würde ich in einer Villa am Starnberger See leben anstatt wechselweise in Erfurt und Bad Pyrmont Löwensen, meinem ultimativen Rückzugsort.

Weihnacht steht vor der Tür. Hinter den Fassaden, den Fenstern und Türen sieht mal viel Glanz und manchmal auch Pomp. Schaut man aber genauer hin, sieht man auch Elend, Not und Perspektivlosigkeit. Menschen, die Weihnacht nicht feiern können, die traurig und wütend sind, die keinen Cent für Geschenke und den bunten Baum haben, die allein in ihrer kargen Hütte sitzen, weil ihnen Freunde fehlen. Einsamkeit tut besonders zu Weihnacht weh. Die Gesellschaft läßt sie allein. Die Abgehängten, das Prekariat. Stigmatisiert von unserer verlogenen Leistungsgesellschaft, in der in Wahrheit Leistung gar nicht zählt. Sie achtet die Arbeit nicht, sie ehrt den Arbeiter nicht. Die sogenannten Leistungsträger sind nichts als Eliten voller Machthunger, Drang nach Geld und Geltung, in Wirklichkeit arme Geschöpfe, deren Inneres keine wahrhaftigen Werte beheimatet.

Weihnacht steht vor der Tür. Ich verneige mich vor den tausenden, ja millionen Menschen, die kaum über den Monat kommen und dennoch ihren harten Weg gehen. Sie erleiden und erdulden, was ihnen dieser Kapitalismus tagtäglich antut und aufbürdet. Innerer Rassismus, Nichtachtung der Menschenwürde, Ausgrenzung infolge Geldmangel, Abwertung des gesamten Seins. Der Volksmund sagt Schweinekapitalismus dazu. Das Land, unser Vaterland steht Kopf. Amerikanische Verhältnisse. Höchste Zeit, das Land wieder auf die Füße zu stellen.

Ich wünsche allen ein Frohes Fest. Ulrich Walluhn

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