#1 Die SED-PDS-Linke und ihre gestörte Beziehung zur wachsenden Armut in Deutschland. von Ulrich Walluhn 18.01.2020 13:35

avatar

Die SED-PDS-Linke und ihre gestörte Beziehung zur wachsenden Armut in Deutschland.

Schon lange treibt mich der Gedanke um, wie es denn die LINKE (bei mir seit 2018 wieder SED-PDS-Linke genannt) mit der sozialen Frage hält. In öffentlichen Statements beteuert sie stets, der Gralshüter der kleinen Leute zu sein, gegen die Hartz-Gesetze und deren Schikanen und Sanktionen und und und. was-nicht-alles trallalla.

Im praxi schaut die Welt allerdings anders aus. Weit und breit findet sich kein einziges Programmpapier zur Bekämpfung der wachsenden Armut und Obdachlosigkeit, keine einzige fundierte Erklärung zu den Ursachen von Massenverelendung und Perspektivlosigkeit von Menschen über 50, kein einziges Wort über den sogenannten inneren Rassismus gegen Alte, Kranke, Schwache, Kinderreiche, Ausgegrenzte. Die Funktionäre der einstigen DDR-Staatspartei üben sich in verquastem Wortgeschwaller und inhaltsleerem Geschwätz. Wer je eine Rede von Genossin Carola Stange auf dem Erfurter Anger hörte, weiß was ich damit meine. Zeitgenossen dieses Schlages haben bekanntlich immer einen Standpunkt, früher Klassenstandpunkt genannt. Im Gegensatz zu früher ist dieser Standpunkt DDR-bildungsbedingt nicht mehr klar und ursachenbezogen, sondern nur mehr verwaschen und verweichlicht. Rühr mich nicht an und benenne keinesfalls die wahren Ursachen, denn die moderne Inquisition lauert allerorten und kann auch die Genossinnen und Genossaußen jederzeit mit ihrem Bannstrahl treffen. Also schwafeln wir überwiegend im Konjunktiv und beginnen Sätze mit der Einleitung „Ich würde sagen...“, wobei keinen der Zuhörer interessiert, was die Rederinnen oder Redneraußen sagen würden sondern vielmehr was sie wirklich sagen. Kapisko?

Die SED-PDS-Linke hat abgewirtschaftet wie Ende 1989. Wären damals nicht Lichtgestalten wie Gregor Gysi auf die Tagesordnung getreten, gäbe es die Partei schon seit 1990 nicht mehr. Die geistigen Blutspenden der Gysis, Berghofers, Wolfs und Modrows haben der scheintoten SED neues Leben eingehaucht und später eine Art seltsames Monstrum geschaffen, daß sich aus SED-Altkadern, Jungsozialisten aller Couleur und aufgesaugten Anhängern der Wahlalternative für Soziale Gerechtigkeit (kurz WASG) zusammensetzt. Neostalinismus und postfeudales Neobonzentum feiern in der Partei fröhliche Urständ, die vor lauter ideologischer Scheuklappen überhaut nicht mehr erkennt, wie das Leben draußen in der Welt wirklich arbeitet (zu gut russisch: Schisn w mirje rabotajet). Der sogenannte „Kampf gegen Rechts“ ist zur kulthaften sinnentleerten Kernprogrammatik geworden, ein krudes und seltsames und angehoben-weltfremdes Ritual, wobei (noch) Trommel, Weihnachtsbaum, Wünschelrute, Fegefeuer und Exorzistenbibel fehlen. Jedem Tierchen sein Pläsierchen und jedem Genossen sein Rotbuch gegen Rechts im Taschenformat. Vorwärts immer – rückwärts nimmer. Man sollte MLPD, DKP und KPD mit „ins Boot nehmen“ wie es so schön neudeutsch heißt. Ins Boot nehmen und gemeinsam den dunkelroten Drops mit braunen Punkten lutschen.

Doch die wahre Lebenswelt ist anders und knallhart. Sie ist kein Tummelplatz kullerbunter linker Ideologen, sondern für Millionen täglicher harter Überlebenskampf. Den nötigen Respekt zollt die SED-PDS-Linke den Menschen nicht, die in diesem Kampfe stehen. Nein, sie zeugt ihn nicht, ganz im Gegenteil.

Am 19. Dezember 2019 nachmittags begab ich mich zum Thüringer Landtag, um mich dort mit Menschenrechts-Aktivistin Claudia M. zu treffen. Im Inneren des Hohen Hauses begegnete mir Frau Katharina König-Preuß, angezogen und „aufgedonnert“ wie eine Großfürstin. Sie erhielt von mir deshalb den Namen Katharina Rote Baronin von und zu König-Preuß. Euer Durchlaucht, Euer Hoheit täte allerdings besser daran, sich ein wenig in Bescheidenheit und Demut zu üben angesichts der herrschenden sozialen Verhältnisse. Weit gefehlt! Kaum 200 Meter weiter, draußen an der Straßenbahnhaltestelle fand ich einen alten Mann. Das Alter kaum zu schätzen, Rentner ganz sicher, zerlumpt, zitternd, bettelarm. Er suchte im Mülleimer nach Pfandflaschen. Er fand keine. Er schaute mich traurig an. Ich konnte ihm nicht helfen. Frau König-Preuß sah ihn nicht oder schaute diskret weg.

Ohne weitere Worte. Stocksauer. Ulrich Walluhn

Xobor Ein Kostenloses Forum | Einfach ein Forum erstellen
Datenschutz